Die drei Fragezeichen Wiki
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Leonore 'Lore' Puschert (* 28. Oktober 1936; † 24. März 2018), bürgerlich Leonore Puschert-Bälz, war eine deutsche Übersetzerin.

Leben und frühe Karriere[]

Puschert besuchte die Wirtschaftsoberschule der Stadt Heilbronn und erhielt bei ihrem Abschluss den auf 500 DM dotierten Preis des Rotary-Clubs, Heilbronn.

Später arbeitete sie viele Jahre als Übersetzerin beim Kosmos-Verlag (früher Franck'sche Verlagshandlung) in Stuttgart. 1959 übersetzte sie ihr erstes Jugendbuch für Kosmos und war in den Folgejahren für die Übertragung weiterer Bücher aus dem Englischen und Schwedischen ins Deutsche verantwortlich. Sie stellte auch Sammelbände für Kinder und Jugendliche zusammen, so Kleine Geschenke selbst gebastelt (1961), Spielbüchlein für junge Mädchen (1962) oder So macht die Freizeit Spaß: Hobbys für alle Talente (1969). Bei vielen dieser Büchlein steuerte bereits die Grafikerin und Illustratorin Aiga Rasch (teilw. als Aiga Naegele) schwarzweiße Zeichnungen bei, die später für die Covermotive der Drei ???-Reihe große Bekanntheit erlangen sollte.

Frau Puschert war verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebte zuletzt in Wüstenrot-Maienfels, Baden-Württemberg.

Die drei ???[]

Zwischen 1968 und 1992 übertrug sie (ausgenommen zwei Ausgaben) die Drei-???-Serie aus dem Englischen ins Deutsche. Mit großer Freude, wie sie Jahre später sagte, dachte sie sich die im Original nicht enthaltenen Fingerzeige aus, die in den deutschen Übersetzungen von Alfred Hitchcock stammen sollen. Des Weiteren arbeitete sie die Mitratefälle (Find your fate) Der weinende Sarg und Das Volk der Winde in reguläre Fälle um.

Leonore Puschert änderte auf Wunsch des Verlages einige Namen wiederkehrender Charaktere, was sie später eher kritisch sah. So führte sie den Namen Justus Jonas für Jupiter Jones ein,[1] Peter Shaw für Peter Cranshaw und Albert Hitfield für Hector Sebastian. In Der riskante Ritt behielt Frau Puschert irrtümlich den Namen Hector Sebastian bei.

Überarbeitungen, Anspielungen, Zensur[]

Der Zauberspiegel[]

Der Zwergstaat Ruffino, im Original ein fiktives Land, wurde von der Übersetzerin zwar im Text weiterhin erwähnt, jedoch gab sie im Vorwort an, der Staat sei von Hitchcock und den drei Jungdetektiven erdacht worden, da sich die wahren Begebenheiten um Chiavos Spiegel in einem großen Wirtschaftsunternehmen zugetragen hätten.

Gemäß damaligem Dafürhalten, hätten europäische Leser die Existenz eines fiktiven europäischen Staates für zu abwegig und unglaubwürdig gehalten.

Die flammende Spur[]

Der fiktive osteuropäische Staat Lapathia wurde von Leonore Puschert samt seiner angedeuteten Historie gänzlich aus der Erzählung getilgt. Statt Lapathia ging es nunmehr um Rumänien und statt um die Herrscherkrone von Lapathia um eine wertvolle Ikone.

Die silberne Spinne[]

Zu ihren bis heute umstrittensten Änderungen zählte die Überarbeitung oder vielmehr Umarbeitung von Die silberne Spinne.

Im Auftrag der Redaktion arbeitete Leonore Puschert den amerikanischen Originalfall um, sodass dieser nicht mehr im fiktiven europäischen Fürstentum Varania spielte, sondern in Magnusstad, einer fiktiven Enklave schwedischer Einwanderer in Texas. Als Grund für die Tilgung können dieselben Aspekte wie in Der Zauberspiegel angeführt werden.

Während es im Original um einen Thronfolger und seinen Anspruch auf die Regentschaft geht, wurde dieses Thema durch Frau Puschert in Industriespionage bei den Magnuswerken und den Nachfolgeanspruch bei der Unternehmensleitung geändert. Hierbei blieben mittelalterliche Anleihen in der Architektur ebenso erhalten, wie die Brutalität der varanischen Wachmannschaft, die Frau Puschert als Werkschutz bezeichnete.

Der Doppelgänger[]

Während im Original subtile Anspielungen auf die politische Geschichte Südafrikas nach und während der Apartheid über die fiktive britische Kolonie Nanda gemacht werden, verortete Puschert die Kolonie nach Südafrika und dramatisierte den Konflikt der dort lebenden Bevölkerung, indem sie schrieb, die schwarze Bevölkerung wäre durch die weiße Bevölkerung wie Sklaven behandelt worden, was nicht dem Original entstammt. Zudem wurden die Begriffe nandan (nandanisch), nandans (Nandaner) und nandan language (Nandanisch), die die Bewohner Nandas als eigene Gruppe mit eigener Kultur charakterisieren, von Leonore Puschert konsequent gemieden und durch Überbegriffe ersetzt. So durch afrikanisch.

Anna Lessing, eine Gegnerin der politischen Bewegungen der schwarzen Bevölkerung Nandas und erbitterte Rassistin, wird von Puschert stärker als Hassrednerin charakterisiert. So bezeichnet sie die schwarze Bevölkerung mehr oder weniger als Wilde und spricht von unzivilisierten Negerstämmen.

Wie in den oberen Beispielen, schienen die Übersetzerin und die Redaktion des Verlages abermals ein Problem mit der Existenz eines fiktiven Staates oder einer Kolonie zu haben, sodass entsprechende Anpassungen vorgenommen wurden. Betreffend der Intensität des im Buch geschilderten Konfliktes, scheint ein Interesse vorhanden gewesen zu sein, stärker die politische Bildung der jugendlichen Leserinnen und Leser in den Mittelpunkt zu stellen.

Anspielungen und Zensur[]

Frau Puschert änderte gerade in späteren Büchern öfter popkulturelle Referenzen oder veränderte Inhalte und Namen. So wurde François Fortunards Gemälde aus Die rätselhaften Bilder in ihrer Übersetzung nicht von Nazis zerstört, sondern wurde, weniger konkret, während des Zweiten Weltkrieges zerstört, in Die flammende Spur spielt Morton nicht Solitair gegen sich selber sondern Schach und Halloween wurde, beispielsweise in Der Ameisenmensch, mit Spätherbst übertragen.

In Angriff der Computer-Viren zensierte Frau Puschert die Beschreibung, einer der Roboter im Club Dead der Firma Oracle Light and Magic, würde einen Arm, wie ein Nazi-Sturmtruppler heben, vermutlich aus rechtlichen und Jugendschutzbedenken heraus.

Inwieweit alle genannten kritischen Aspekte tatsächlich von Frau Puschert selber veranlasst wurden, ist unklar. Vermutlich erhielt sie häufig entsprechende Weisungen durch das Lektorat oder die Redaktion. Gemäß dem Interview von 2004 sah Puschert selber die Namensänderungen kritisch und wünschte sich, man sei dort umsichtiger gewesen.

Anmerkungen[]

  1. Ihr Sohn Florian Justus Bälz war 1992 als Fachberater für Puscherts zuletzt übertragenes Die drei ???-Buch Angriff der Computer-Viren tätig. Ob Justus Jonas nach ihm benannt wurde oder die Übersetzerin ihr Kind nach der Detektivfigur benannte, ist nicht bekannt.

Externe Links[]

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