Die drei Fragezeichen Wiki
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Vorsicht, Falschgeld! ist der 3. Midi-Band der drei ??? Kids. Er wurde von Boris Pfeiffer geschrieben und 2009 veröffentlicht.

Inhalt[]

Klappentext[]

"Mr Porter, was machen Sie da mit unserem Geld! Ist das ein Zaubertrick?", rief Peter entsetzt. Vor den Augen der drei ??? zerfiel die Banknote in winzige Einzelteile. In Rocky Beach löst sich plötzlich das Geld auf! Als Justus ein 5-Dollar-Schein in den Fingern zerbröselt, nehmen die drei ??? die Spur auf. Um die Geldfälscher zu überführen, ist jedoch eine Menge Kombinationsgabe gefragt ...

Hier ist der gesammte Text des Buches:

»Yippieh!« Jubelnd riss Peter Shaw sich das T-Shirt vom Körper und schwenkte es über dem Kopf. » Hitzefrei! Freunde, ich kann mich nicht erinnern, dass es das überhaupt schon mal gab!«


   »Gab es ja auch nicht«, lachte Bob Andrews. »Normalerweise funktioniert nämlich die Klimaanlage in der Schule. Wir haben einfach Glück, dass an dem Ding irgendwas kaputtgegangen ist.«

   Auch Justus Jonas, der Dritte im Bunde und Anführer der drei ???, genoss die plötzlich gewonnene Freiheit. Die drei Freunde standen vor ihrer Schule. Wirklich herrschte um elf Uhr früh bereits eine sengende Hitze.

   »Und«, rief Bob, »was machen wir jetzt mit diesem geschenkten freien Tag?«

   »Ab in den Ozean!«, schlug Peter sofort vor. »Im Moment hilft nur kühles Wasser. Sogar mein Vater hat sich gestern unter den Rasensprenger gelegt.«

   Doch Justus schüttelte den Kopf. »Tut mir leid, Peter! Ich habe Onkel Titus gestern beim Aufladen einiger Wertstoffe geholfen, die er bei einem Technikcenter gekauft hat, und mir dabei einen Sonnenbrand zugezogen. Und ich fürchte, wenn ich heute wieder in die Sonne gehe, wird das noch eine richtig schwere Verbrennung.«

   Justus lebte seit seinem fünften Lebensjahr bei seinem Onkel Titus und seiner Tante Mathilda in Rocky Beach, weil seine Eltern damals bei einem Unfall ums Leben gekommen waren. Sein Onkel betrieb ein weit über die Grenzen des kalifornischen Küstenstädtchens hinaus bekanntes Gebrauchtwarencenter. Die Dinge, die er dort verkaufte, nannte Onkel Titus liebevoll Wertstoffe. In seinen Augen gab es nichts auf der Welt, für das sich nicht noch eine Verwendung finden ließ, selbst wenn sein ursprünglicher Besitzer es auf den Müll geworfen hatte.

   Peter sah Justus entsetzt an. Tatsächlich war dessen Haut deutlich rötlicher als sonst. »Einmal im Leben hitzefrei und dann nicht ans Meer? Das ist ja schrecklich. Was sollen wir denn dann machen?«

   Justus legte den Kopf schief. »Ich hätte eine Idee. Heute kommt doch das neue Heft von Brain Secrets raus. Ihr wisst doch, diese mysteriösen Fälle, bei denen man mitraten kann. Wir könnten es uns holen und dann zusammen den Fall in der Kaffeekanne lösen. Da ist es auch angenehm kühl. Und außerdem habe ich gestern für die Arbeit fünf Dollar von Onkel Titus bekommen. Die würde ich für das Heft spendieren und den Rest für uns alle in ausgesuchter Gehirnnahrung anlegen!«

   Die Kaffeekanne war das Geheimversteck der drei ???. Die Freunde nannten es so, weil der ausgediente Wassertank für Dampflokomotiven aus der Ferne wirklich einer alten Kaffeekanne ähnelte.

   »Einen mysteriösen Fall lösen und dazu Süßigkeiten futtern?« Bob schnalzte genussvoll mit der Zunge. »Denn ich nehme doch an, Just, dass du mit ausgesuchter Gehirnnahrung Süßigkeiten meinst?«

   Justus nickte grinsend. »Klar! Und ich liebe Brain Secrets . Beim letzten Fall habe ich es übrigens geschafft, alle Fragen zu knacken. Und die waren wirklich nicht besonders leicht. Habt ihr sie etwa auch alle gelöst?«

   Bob nickte. »Ja, ich schon. Ich habe auch gar nicht so lange gebraucht. Nur einen Nachmittag.«

   Peter verdrehte die Augen. »Toll! Die Superhirne unter sich. Ich finde Brain Secrets auch nicht schlecht. Aber ich mache nur mit, wenn wir die Rätsel zusammen lösen. Ich habe nämlich keine Lust, dass ihr euch lauter kluge Dinge zuruft, und ich kann sehen, wo ich bleibe. Außerdem bestehe ich auf einer gerechten Auswahl der Süßigkeiten bei Mr Porter! Wir nehmen nicht wieder nur das, was Justus will, nur weil er angeblich mehr Gehirnarbeit leisten muss!«

   Bob lachte. »Abgemacht, Peter! Jedes Rätsel wird gemeinsam durchdacht und die Gehirnnahrung gerecht aufgeteilt.«


Wenig später standen die drei ??? in Porters Laden am Marktplatz von Rocky Beach. Hier gab es alles, von Bekleidung über Obst bis hin zu Comics und einer breiten Auswahl an Süßigkeiten. Mr Porter war gerade dabei, die Schaufensterscheibe zu putzen. Dabei lief ihm der Schweiß in Strömen über das Gesicht.

   »Na, Jungs!«, rief er ihnen entgegen. »So früh? Ist denn die Schule schon aus? Wenn ihr nämlich den Unterricht schwänzt und eure Lehrerin bekommt mit, dass ihr stattdessen bei mir einkauft, bekomme ich mächtig Ärger.«

   »Aber Mr Porter, was denken Sie denn von uns!« Justus öffnete seine Mappe, holte einen neuen 5-Dollar-Schein aus einem Seitenfach und legte ihn auf die Ladentheke. »Ich versichere Ihnen, dass es weder mir noch meinen Freunden in den Sinn käme, freiwillig auf Wissen und Bildung zu verzichten. Wir haben lediglich hitzefrei und suchen jetzt nach einem Ersatz für die entfallenen Schulstunden.«

   Mr Porter sah Justus misstrauisch an. »Hitzefrei? Was ist denn das für ein Schnickschnack?«

   »Die Klimaanlage ist ausgefallen«, rief Peter. »Bei uns im Klassenzimmer schmilzt einem bei diesen Temperaturen das Gehirn weg.«

   »Und deswegen wollen wir uns jetzt an einem kühlen Ort an das neue Rätsel in Brain Secrets machen«, erklärte Bob. »Haben Sie das Heft da?«


   Mr Porter legte seinen Wischer zur Seite, strich sich mit der feuchten Hand kurz durchs Haar und holte das Heft aus einem Regal.

   »Hier: Brain Secrets – Angriff der Killerviren . Macht einen Dollar und 50 Cent.« Dann sah er auf den Geldschein. »Oder hättet ihr gerne noch was dazu?«

   Peter unterdrückte ein Grinsen. Wenn Mr Porter ein Geschäft witterte, konnte ihn nichts aufhalten. »Sie kennen uns einfach zu gut! Sie wissen genau, wir würden Ihren Laden nie verlassen, ohne uns etwas Süßes zu gönnen. Und zwar nehmen wir …«

   »Zitronendrops«, rief Bob.

   »Pfirsichtee«, sagte Justus gleichzeitig und fügte dann schnell noch hinzu: »Und drei Erdnuss-Nougat-Karamell-Riegel!«

   Mr Porters Hände griffen all die Herrlichkeiten gleichzeitig. »Weiter, weiter«, rief er dröhnend. »So schnell könnt ihr gar nicht sprechen, wie ich es euch hinlege.«

   Peter kicherte. »Dann noch ein paar von den Kaugummis mit Zuckerwattegeschmack.«

   »Und die Milchschokolade mit der weißen Karamellfüllung«, zeigte Bob.

   »Für mich die Riegel mit Marshmallow-Creme und Graham-Keks-Stückchen!« Justus leckte sich die Lippen. »Und einmal die scharfen Kaubonbons mit Zimtgeschmack!«

   Mr Porter wischte sich den Schweiß von der Stirn, während er alles zusammenhäufte. »Fein, fein, fein. Das sind dann vier Dollar fünfzig. Für 50 Cent könnt ihr euch noch was aussuchen.«

   »Schokoladen-Milch-Kekse!«, schrie Bob.

   »Die Pfefferminzbonbons, die wie Rettungsringe aussehen!«, schlug Peter im selben Augenblick vor.

   »Erdnussbutterplättchen auf weicher Nougatcreme«, rief Justus ohne Zögern.

   Mr Porter sah die Freunde an. »Für eins davon reicht es, aber für alle drei braucht ihr noch einen Dollar mehr!«

   »Mehr habe ich nicht.« Justus sah fragend zu Bob und Peter.

   Die beiden schüttelten die Köpfe. »Wir auch nicht.«

   Mr Porter zuckte bedauernd die Schultern. »Ihr wisst ja, ich würde euch liebend gerne alles umsonst geben. Aber dann hätte ich bald kein Geld mehr, um meine Miete zu bezahlen und den Laden zu öffnen. Das wäre schlimm, nicht wahr?!«

   »Ihre Logik ist bestechend«, gab sich Bob geschlagen. »Okay, Freunde, dann bin ich auch für die Rettungsringe. Die halten bei der Hitze länger als Schokokekse und Erdnussbutter.«

   »Dann bleibt es dabei?« Mr Porter legte die Bonbonrolle zu den übrigen Sachen und nahm den Fünfdollarschein vom Tresen. »Da habt ihr einen wunderbaren Einkauf getätigt. Ich wünsche euch gutes Raten und guten Appe…«

   Im selben Augenblick verstummte er, um eine Sekunde später fassungslos zu rufen: »Jungs, wenn das ein Scherz sein soll, dann ist es ein schlechter!«

   »Was für ein Scherz?« Verwirrt sahen die drei ??? den Ladeninhaber an. Im selben Moment verstanden sie, was er meinte. In Mr Porters Hand löste sich vor ihren Augen der Fünfdollarschein auf. Er zerbröselte nach und nach in viele winzige Stückchen Papier.


   »Was machen Sie da mit unserem Geld?«, rief Peter entsetzt. »Mr Porter, ist das ein Zaubertrick?«

   » Ich mache gar nichts!« Ärgerlich warf Mr Porter die Papierfetzen auf die Ladentheke. »Und ich finde das auch nicht komisch. Mit Geld treibt man keine Scherze!« Schnell raffte er alle Süßigkeiten und das Rätselheft zusammen. »Eure Scherzartikel könnt ihr woanders benutzen. Wenn das noch mal passiert, sind wir die längste Zeit Freunde gewesen! Und jetzt raus!«

   Wütend schob er den drei ??? die Geldscheinschnipsel zu, die Justus verwirrt an sich nahm. Dann hielt Mr Porter ihnen hocherhobenen Hauptes die Tür auf. »Lasst euch hier ohne anständiges Geld nicht wieder blicken!«

   »Aber das war anständiges Geld«, sagte Justus tonlos. »Ich habe es gestern von meinem Onkel bekommen.«

   »Wer es glaubt, wird selig. Treibt euren Unfug gefälligst woanders!«

   Im nächsten Augenblick schlug die Ladentür hinter den drei ??? zu, und sie fanden sich alleine unter der brennenden Sonne auf dem Marktplatz von Rocky Beach wieder.


   »Was war das denn? Die Geldseuche?« Mit großen Augen sahen Peter und Bob Justus an.

   »Just, wenn das ein Witz gewesen sein soll, dann ist er in die Hose gegangen.«

   »Das war kein Witz. Ehrlich. Das waren ganz normale fünf Dollar. Jedenfalls bis eben.« Justus starrte auf die Schnipsel in seiner Hand.

   »Aber Porter hat damit nichts gemacht«, rief Bob. »Er hat den Schein nur angefasst.«

   »Das habe ich auch gesehen.« Justus biss sich auf die Unterlippe.

   »Echtes Geld löst sich doch nicht einfach auf«, überlegte Peter. »Vielleicht hat dir ja dein Onkel wirklich einen Scherzartikel angedreht?«

   »Bestimmt nicht«, widersprach Justus jetzt. »Er hat mir den Schein gestern direkt nach dem Aufladen gegeben, und ich habe ihn sofort weggesteckt. Wir waren am Technikcenter Richtung Pacific Palisades. Die haben ihr Lager aufgeräumt, und Onkel Titus hat ihnen einige alte Kühlschränke und Ähnliches abgekauft. Den Schein hat er dort bekommen, direkt aus der Kasse. Das war das Wechselgeld. Ich hab sogar noch gelacht, weil mein Onkel seine Arbeitshandschuhe anhatte und ihm der Schein in den klobigen Dingern fast weggeflogen wäre.«

   »Dann muss es an Mr Porter gelegen haben«, folgerte Bob. »Aber warum sollte er sich so einen Witz mit uns erlauben?«

   »Porter vernichtet auf keinen Fall Bargeld«, rief Peter erregt. »Dazu ist er viel zu geizig. Und außerdem hat er uns doch beschuldigt, wir hätten ihn verkohlt. Kann es nicht sein, dass der Schein schlecht produziert war oder so? Er sah doch noch ziemlich neu aus. Wo kriegt man denn so was raus?«

   »Eine hervorragende Vermutung, Peter!« Justus nickte anerkennend. »Ich weiß, was wir machen. Wir gehen zur Bank. Da müsste man uns etwas sagen können.« Justus ließ die Geldbrösel in eine Plastikhülle fallen, die er aus seinem Schulranzen zog.


   Plötzlich kicherte Bob. »Wie hieß das neue Brain Secrets ? Angriff der Killerviren ? Vielleicht sind wir ja deren erstes Opfer geworden.«

   Wenig später betraten die drei ??? die Rocky Beach Reserve Bank . Mr Mannypenny, der Bankdirektor, begrüßte sie. »Ah, der Juniorchef des jonasschen Gebrauchtwarencenters und seine Freunde persönlich. Guten Morgen, was kann ich für euch tun?«

   Justus zog die Plastikhülle hervor. »Hallo, Mr Mannypenny. Diese Fünfdollarnote hat sich eben von selbst aufgelöst. Und wir wollten uns erkundigen, ob Ihnen solche Fälle bekannt sind, oder ob Sie uns dazu etwas mitteilen könnten?«

   Verblüfft sah Mr Mannypenny Justus an. »Habt ihr mit der Banknote etwas angestellt? Irgendwie rumexperimentiert oder so?«

   »Nein, sie ist einfach in der Hand von Mr Porter zerfallen«, sagte Peter schnell.

   »Zerfallen? Das würde ich mir doch gerne genauer ansehen, wenn ihr gestattet.«

   Mr Mannypenny führte die drei ??? in sein Büro und holte dort ein Mikroskop und eine Pinzette hervor. Er nahm einen der Schnipsel und legte ihn behutsam unter das Mikroskop, wo er ihn lange begutachtete.

   »Hm, hm, hm«, brummte er vor sich hin. »Also, es handelt sich eindeutig um eine echte Banknote.«

   »Das wissen wir natürlich«, erklärte Justus. »Aber kann es sein, dass irgendetwas an dem Papier schlecht verarbeitet war?«

   Mr Mannypenny sah auf. »Du meinst, ob es sich um einen Produktionsfehler handelt?«

   »Ja, oder um eine unbeabsichtigte Beschädigung in der Papierfabrik oder der Banknotendruckerei.«

   »Das ist eine gewagte These«, murmelte der Bankdirektor. »Von so einem Unfall ist mir nichts bekannt. Das müsste es aber sein, denn so etwas ließe sich nicht verheimlichen. Natürlich würde jede Bank sofort davon in Kenntnis gesetzt. Außerdem ist es ausgeschlossen, dass nur ein einzelner Schein betroffen wäre.«

   »Sie meinen also, ein solcher Fall lässt sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließen?«, hakte Bob nach.

   »Genau das meine ich«, nickte Mr Mannypenny. »Im Übrigen kann ich aus dem Rest der Notennummer ersehen, dass der Schein aus einer Bundesdruckerei stammt.«

   »Aber was kann es denn dann sein?«, fragte Peter. »Irgendwas muss die Banknote doch zerstört haben!«

   Mr Mannypenny beugte sich wieder über das Mikroskop. »Ich muss gestehen, so etwas habe ich noch nie gesehen. Und ich habe schon einiges erlebt. Verbranntes Geld, im Wasser aufgeweichte Dollar, sogar Banknoten, die jemand durch den Reißwolf gejagt hatte. Ihr müsst wissen, dass solches Geld von uns untersucht und auch ersetzt wird. Vorausgesetzt, dass noch genug von den Scheinen übrig ist, um sie zu identifizieren. So lautet das Gesetz. Aber dieser Schein wirkt, als habe ihn etwas zerfressen. Ich kann das im Augenblick nur für einen dummen Scherz halten.«


   »Es ist also das erste Mal, dass Ihnen so etwas begegnet?«, fragte Justus.

   »Allerdings!« Mr Mannypenny nickte. »Aber ich werde euch den Schein ersetzen. Es ist zwar weniger als die Hälfte davon übrig, aber beim Umtausch von kaputten Banknoten gilt bei uns die Regel: Alles oder nichts.«

   »Was heißt das denn?«, rief Peter.

   »Na ja, als Bank ersetzen wir Banknoten nur in voller Höhe, wenn jemand mehr als 50 Prozent des Scheins vorlegt oder wenn derjenige nachweisen kann, dass der fehlende Teil sicher vernichtet worden ist. Und das konntet ihr ja. Mit diesem Gesetz soll verhindert werden, dass jemand einen kaputten Schein zweimal vorlegt.«

   »So ein Glück«, freute sich Peter. »Wenn Sie uns also nicht kennen würden und wir wären nur mit den Bröseln hier angekommen, hätten wir nichts bekommen?«

   »So ist es«, lächelte Mr Mannypenny und nahm die Schnipsel an sich.

   »Äh, Mr Mannypenny.« Justus deutete auf die Geldreste. »Ich möchte das eigentlich gar nicht umtauschen.«

   »Wie bitte?« Der Bankdirektor zog verblüfft eine Augenbraue in die Höhe.

   »Ja«, sagte Justus, »wenn mich der Schein nicht trügt, steckt hinter diesen Schnipseln ein Geheimnis. Immerhin haben selbst Sie so etwas noch nie gesehen! Und diesem Geheimnis würde ich gerne auf die Spur kommen.«

   »Na, wie du meinst.« Mr Mannypenny reichte Justus die Schnipsel, der sie wieder in die Folie steckte.

   »Aber dann haben wir unser Geld verloren, Just!«, rief Peter.

   »Das Geld schon«, entgegnete Justus rasch, »aber das Rätsel hier ist doch viel besser als der Angriff der Killerviren , oder?«

   Peter schnappte nach Luft. »Ach so: Besser ein echter Fall als ein ausgedachter in einem Rätselheft?!« Er nickte langsam. »Verstehe.«

   Die drei ??? verabschiedeten sich von dem Bankdirektor. Vor der Bank hielt Peter Justus am Ärmel fest. »Aber, Just, bevor du wieder erst im Nachhinein erklärst, was alles in deinem Oberstübchen vor sich geht, schlage ich vor, dass für den Fall der Geldseuche das Gleiche gilt wie für Brain Secrets : Der Fall wird zusammen gelöst.«

   Justus lächelte breit. »Peter, meinst du, ich hätte fünf Doller in ein Rätsel investiert, ohne dich und Bob daran teilhaben zu lassen?!«

   »Na, dann lasst uns loslegen«, rief Bob. »Die Frage ist nur: Wo fangen wir an?«

   Peter kratzte sich an der Nase. »Da wir keine Gehirnnahrung haben, bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als direkt mit dem Kopfzerbrechen zu beginnen«, sagte er dann. »Aber was mich betrifft, muss ich zugeben, dass ich nicht den blassesten Schimmer habe, um was es hier eigentlich geht.«


   Zwanzig Minuten später saßen die drei ??? in ihrem Geheimversteck, der Kaffeekanne. Da der Tank hoch zwischen den Baumwipfeln lag, wehte ab und zu ein erfrischender Windhauch durch die Ritzen.


   »Was wissen wir bisher?«, fragte Justus in die Runde, während er die übrig gebliebenen Dollarschnipsel auf den Boden legte. »Und was können wir logisch daraus folgern?«

   »Das Geld ist zerfallen, als Mr Porter es angefasst hat«, begann Peter. »Da es bei Justus und seinem Onkel, die es vorher auch angefasst haben, aber nicht zerbröselt ist, könnte das mit Mr Porter zu tun haben. Aber wie, weiß ich nicht.«

   Bob überlegte. »Er hat davor die Scheiben geputzt. Vielleicht war irgendein Putzmittel im Wasser, das schuld ist?«

   »Du meinst etwas, das den Schein wegfrisst, weil Mr Porter es mit den nassen Händen angefasst hat?«, rief Justus. »Keine schlechte Idee. Aber so ein Putzmittel gibt es nicht. Es sei denn, Mr Porter wischt seine Scheiben mit Salzsäure!«

   Bob lachte. »Wohl kaum. Und trotzdem ist die Idee gut. Alte Bücher zerfallen doch auch!«

   »Wie zerfallen die?«, wollte Peter wissen.

   »Na, der Tintenfraß lässt sie zerbröseln«, erklärte Bob.

   »Aber an dem Schein war überhaupt keine Tinte zu sehen!« Peter schüttelte den Kopf.

   »Das heißt auch nur so«, erklärte Bob. »In alten Handschriften gibt es manchmal plötzlich weiße Flecken auf den Seiten. Und die kommen von der Säure in der Tinte. Diese frisst sich im Laufe der Zeit durch das Papier. Deswegen werden alte Bücher in speziell klimatisierten Räumen aufbewahrt.«

   Justus starrte Bob mit großen Augen an. »In speziell klimatisierten Räumen?«

   Bob nickte. »Ja, wegen der hohen Luftfeuchtigkeit. Die ist gefährlich für das Papier.«

   »Schon wieder Feuchtigkeit!« Justus griff nach seiner Unterlippe und begann, sie langsam zwischen Daumen und Zeigefinger zu kneten.

   Doch bevor er etwas sagen konnte, rief Peter plötzlich: »Ich verstehe! Porters Hände waren nass. Er hat erst ins Putzwasser gefasst und außerdem auch ganz schön geschwitzt. Und wenn dann irgendwas an dem Schein war, das mit der Feuchtigkeit zusammen reagiert hat …«

   Justus sah anerkennend auf. »So ist es, Peter. Eine Chemikalie, die das Papier zerfrisst oder so. Und wisst ihr noch: Ich habe euch doch erzählt, dass Onkel Titus gestern Handschuhe anhatte, als er mir den Schein gegeben hat. Er hat ihn also gar nicht berührt! Und ich habe wegen meines Sonnenbrandes ganz heiße und trockene Haut.«

   Bob beugte sich neugierig vor. »Aber das würde ja bedeuten …«

   »… dass wirklich etwas auf dem Schein war«, sagte Peter schnell. »Etwas, das zusammen mit Wasser oder Schweiß dafür sorgt, dass der Schein zerfällt!«

   »Das klingt logisch«, nickte Justus. »Trotzdem hat die Theorie leider noch eine Schwachstelle. Onkel Titus hat das Geld im Technikcenter aus der Kasse bekommen. Und die Kassiererin hat bestimmt keine Handschuhe getragen.«

   »Moment!« Peter winkte heftig. »In diesen großen Einkaufscentern läuft immer die Klimaanlage! Und das heißt, es ist kühl und man schwitzt nicht!«

   Inzwischen war auch Bob aufgeregt und zählte auf: »Papier. Etwas, das ähnlich wie Tintenfraß wirkt. Feuchtigkeit! Das klingt nach einer echten Spur!«

   Justus strahlte seine Freunde an. »Wenn wir richtigliegen, bleibt nur noch die Frage: Was ist es, das den Dollarscheinfraß auslöst? Und wie und wo ist es auf den Schein gelangt?«

   »Im Technikcenter vielleicht?«, rief Bob.

   »Das wäre eine Möglichkeit«, meinte Justus. »Aus welcher Kasse wir den Schein bekommen haben, weiß ich noch.«

   Peter grinste schräg. »Schade, dass wir solche Sachen nie in der Schule in Chemie gemacht haben. Der Zerfall des amerikanischen Dollars!«

   »Dann holen wir das eben jetzt im echten Leben nach!« Bob zog bereits die Klappe am Boden der Kaffeekanne auf, die zur Leiter ins Freie führte. »Mit anderen Worten: Wir müssen in diesem Fall noch mal zurück auf Start. Auf ins Technikcenter!«

   Justus blies die Backen auf. »So ein Pech! Ich muss gestehen, dass ich mir Schöneres vorstellen kann, als jetzt durch die Hitze zu radeln.«

   »Man löst echte Fälle eben nicht alleine durch Gedankenkraft«, feixte Peter. »Das geht in Brain Secrets, aber nicht im Leben der drei ???.«

   »Außerdem sind das mit dem Rad doch höchstens 30 Minuten«, rief Bob und kletterte aus der Kaffeekanne. »Und wisst ihr was? Mir fängt die Sache langsam an, richtig Spaß zu machen!«


   Justus hatte recht gehabt. Die Fahrt auf den Rädern bis ins Technikcenter war eine heiße Angelegenheit. Erstens ging es immer wieder bergauf, und zweitens brannte die Sonne erbarmungslos auf die drei ??? nieder. Justus’ Haut an den Armen brannte bald wie Feuer.

   »Ich kann nicht mehr«, stöhnte er, als sie endlich das Technikcenter erreichten.

   »Dafür sind wir schon da«, rief ihm Peter gut gelaunt zu, dem die Tour nicht das Mindeste ausgemacht hatte.

   Vor den drei ??? lag ein flaches graues Gebäude, das mindestens so groß wie drei Baseballfelder war. Technics for all, stand in hohen Lettern an der Stirnseite.

   Rund um das Gebäude erstreckte sich ein gewaltiger Parkplatz, der im Moment allerdings nahezu leer war. Die drei ??? rollten bis zum Haupteingang.

   »Los rein, dadrinnen ist es wenigstens kühl.« Justus stieg mit schmerzverzerrtem Gesicht von seinem Rad und ging voran.


   Im Inneren des riesigen Supermarktes war es tatsächlich fast eisig. Die Klimaanlage lief auf vollen Touren.

   »An welcher Kasse wart ihr denn?«, fragte Peter.

   »Dahinten«, zeigte Justus. »Die letzte Kasse ist speziell für die Sonderangebote zuständig.«

   Die drei ??? liefen hinüber. An der Kasse saß ein sehr dicker Verkäufer, der nervös auf einem Kaugummi herumbiss und dabei mit einer Kundin sprach. »Nein, Madam, es tut mir leid, aber ich warte auf das Wechselgeld. Es muss gleich kommen.«

   »Und ich, junger Mann, habe es eilig«, fauchte die Kundin. »Nur weil ich ein Sonderangebot gekauft habe, will ich nicht schlechter behandelt werden.«

   »Geduld!« Der Verkäufer hob beschwichtigend die Hände und wischte sich unsicher über sein gewaltiges, rotverschwitztes Gesicht.

   »Was ist denn los?« Neugierig beugte sich Bob vor.

   »Sie haben kein Wechselgeld mehr in der Kasse!«, rief die empörte Dame.

   Die drei ??? warfen sich einen schnellen Blick zu. »Madam, bitte!«, versuchte der Kassierer, auf dessen Namensschild Jeremias Tripp stand, sie zu beschwichtigen. »Ich hatte ja Geld hier, es ist nur irgendwie … jedenfalls kommt gleich neues!«

   Jetzt wandte sich Justus Mr Tripp zu. »Ist das Geld etwa zerbröselt?«

   Erstaunt warf dieser den Kopf herum. »Woher weißt du das?«

   Justus sah den Kassierer an. »Ich vermute, Sie haben das Geld angefasst, und dann ist es zerfallen?«

   Der dicke Mann wurde noch röter im Gesicht. »Ja! Aber woher weißt du das?«

   »Sir, ich würde Ihnen raten, die Polizei zu informieren«, sagte Justus schnell. »Ich hatte gestern auch einen Schein aus dieser Kasse in den Händen, und der ist ebenfalls zerfallen.«

   »Waaaas?!« Die Kundin kreischte auf. Dann sprang sie förmlich auf den Kassierer zu und packte den Mann heftig an seiner Jacke. »Geben Sie mir sofort meinen schönen 50-Dollar-Schein zurück. Ich verzichte auf den Kauf. Aber dalli!«


   »Äh, ja, Mam.« Mr Tripp wischte sich erneut über die Stirn und reichte ihr einen Schein, der an einem Halter an der Kasse steckte.

   Die Dame riss ihn an sich und ließ ihre Einkäufe auf dem Fließband liegen. »Danke, dass ihr mich gewarnt habt«, zischte sie den drei ??? zu. »Zerfallendes Geld. Was ist denn das für ein Laden!?« Kopfschüttelnd lief sie davon.

   Entgeistert sah der dicke Kassierer ihr nach. Dann wandte er sich den drei ??? zu. »Jetzt sagt mir endlich, woher ihr das wusstet?«

   Justus räusperte sich. »Entschuldigen Sie, Sir, aber wir nehmen an, es liegt daran, dass Sie so heftig schwitzen.« Dann erklärte Justus in knappen Worten, was ihnen selbst widerfahren war.

   Mr Tripp nickte stumm. »Ja, seht euch das an.«

   Er ließ die Kasse aufschnappen und zeigte auf ein ganzes Bündel zerfallener Geldscheine. »Wir haben heute erst um 13 Uhr geöffnet. Ich habe das Wechselgeld aus der Wechselgeldtüte hier reingelegt und es natürlich nachgezählt.«

   »Haben Sie dabei schon geschwitzt?«, fragte Bob.

   Betreten senkte der Mann den Kopf. »Ich schwitze leider sehr leicht. Da hilft die stärkste Klimaanlage nichts. Die Dame eben war die erste Kundin, die ich hatte. Und als ich die Kasse aufmachte, sah ich dieses Chaos. Ich wusste überhaupt nicht, was ich machen sollte. Das sieht ja aus hier, als hätte eine ganze Kompanie Mäuse in den Geldscheinen gehaust.«

   Justus nickte. »Mr Tripp, kann etwas von diesem Geld schon gestern in der Kasse gewesen sein?«

   »Natürlich«, antwortete der Kassierer. »Der Großteil des Geldes geht jeden Abend an die Bank. Aber jede Kasse hat ihre eigene Tüte mit Wechselgeld, die über Nacht im Bürosafe verwahrt wird.« Er sah die drei ??? unglücklich an. »Mein Chef kommt gleich, ich habe ihn über das Haustelefon hergebeten. Aber ich glaube, ich muss jetzt auch die Polizei anrufen. Mein Gott, hoffentlich denkt mein Chef nicht, dass ich schuld daran bin. Ihr kennt ja bestimmt die alte Regel: Wenn in der Kasse Geld fehlt, muss der Kassierer es ersetzen. Stellt euch das mal vor! Dann hätte ich einen ganzen Monatsverdienst einfach weggeschwitzt!«


   Als Kommissar Reynolds zwanzig Minuten später eintraf, empfingen ihn nicht nur Mr Tripp und die drei ???, sondern auch ein sehr beunruhigter Geschäftsführer.

   »Kommissar! Wenn es stimmt, was diese Jungen hier denken, dann droht sich vielleicht unser ganzer Bargeldbestand in Luft aufzulösen!«

   »Wie bitte?« Verständnislos sah Reynolds in die Runde. Nicht lange danach war er informiert.

   »Und da so etwas davor noch nicht passiert ist«, schloss Justus, »sieht es ganz danach aus, als wäre das selbstauflösende Geld erst gestern in dieser Kasse gelandet.«

   Reynolds nickte. »Und das ist nur hier an der Kasse für die Sonderangebote passiert?«

   »Ja«, meinte der Geschäftsführer. »Aber woher das Geld stammt, kann ich nicht sagen. Die Kunden zahlen, nehmen die Ware mit, und das war es dann auch.«

   »Sir«, mischte Justus sich ein. »Dürfte ich Ihnen eine Frage stellen?«

   Verwundert sah der Geschäftsführer ihn an.

   »Lassen Sie ihn ruhig fragen«, erklärte Kommissar Reynolds. »Die drei haben den Fall offensichtlich als Erste bemerkt und mir schon öfter mit ihrer bewundernswerten Kombinationsgabe zur Seite gestanden.«

   Der Geschäftsführer überlegte. Dann zuckte er die Schultern. »Wenn Sie meinen, Kommissar.«


   »Danke!« Justus sah den dicken Kassierer an. »Wer hatte denn gestern an dieser Kasse Dienst, Mr Tripp? Ich weiß, es war eine blonde junge Frau.«

   »Das war Miss Roelig«, antwortete der Kassierer.

   »Aber Junge, du glaubst doch wohl nicht, dass Miss Roelig das seltsame Geld hier in die Kasse getan hat?«, rief der Geschäftsführer empört. »Sie ist eine unserer Besten!«

   »Selbstverständlich nicht, Sir«, antwortete Justus. »Aber vielleicht erinnert Sie sich daran, ob ein Kunde eine besonders große Summe bezahlt hat. Es wäre zumindest möglich, dass die entscheidenden Scheine von diesem Kunden stammen.«

   Der Geschäftsführer verzog das Gesicht. »Also ich weiß ja nicht, ob das jetzt bewundernswerte Kombinationsgabe ist. Aber bitte, fragen wir Miss Roelig.«

   Er bat den Kommissar und die drei ??? in sein Büro. Von dort rief er die Kassiererin an und befragte sie. Nachdem er wieder aufgelegt hatte, nickte er. »Ein paar Kühlschränke sind weggegangen …«, hob er an.

   Aber Justus unterbrach ihn. »Die haben mein Onkel und ich gekauft. Und von uns kommt das seltsame Geld nicht.«

   »So? Na, da siehst du, wo deine Logik hinführt. Ansonsten wurde nur noch ein Papiertrockner verkauft.«

   »Was ist das denn?«, fragte Bob neugierig.

   Justus sah auf. »Solche Apparate benutzt man zur Tapetenherstellung oder für Zeitungspapier. Man kann ja Papierbahnen nicht auf die Leine hängen, weil sie reißen würden. Deswegen muss solches Papier liegend und möglichst kontaktlos getrocknet werden. Das passiert in den Trockenmaschinen.«

   Erstaunt sah der Geschäftsführer Justus an. »Das stimmt. Und wir hatten hier ein Vorführmodell, das wir gestern mit Rabatt verkauft haben.«

   »Aber was soll denn ein Papiertrockner mit den Dollarscheinen zu tun haben?«, fragte Peter.

   »Immerhin sind Dollarscheine auch aus Papier«, sagte Justus. »Und wenn das außerdem die zweitgrößte Summe in der Kasse war, kommt schon eines zum anderen.«

   Im diesem Moment klingelte Kommissar Reynolds’ Handy. »Ja bitte? – Was? « Der Kommissar starrte sein Telefon an wie eine giftige Schlange. »Das war Mr Mannypenny von der Rocky Beach Reserve Bank «, sagte er im nächsten Moment. »In der Bank haben Geldscheine angefangen sich aufzulösen!«

   Justus Jonas lächelte seinen Freunden zu. »Der dritte entscheidende Hinweis!«, erklärte er ruhig. »Es könnte das Geld aus der Kasse hier sein, oder, Freunde?«


Der Mann mit dem schwarzen Zylinder

   Die drei ??? beugten sich zusammen mit Kommissar Reynolds in der Rocky Beach Reserve Bank über einen frisch zerfallenen Geldschein, und ein erschütterter Mr Mannypenny starrte ihnen über die Schultern.

   »Hoffentlich habt ihr mit eurer Geldnote vorhin nicht einen Virus in die Bank geschleppt. Wenn unser Geld zerfällt, können wir dichtmachen«, klagte der Bankdirektor.

   »Nun beruhigen Sie sich bitte!« Kommissar Reynolds hob die Fetzen hoch. »Geld lebt nicht und kann demzufolge auch keine Virenerkrankung bekommen.«

   »Aber ich lebe für das Geld!«, rief der Direktor den Tränen nahe. »Und übrigens auch davon. Wie jeder Bürger in dieser Stadt. Und außerdem – sehen Sie sich das an!« Er deutete auf die Straße vor der Bankfiliale.

   Mr Mannypenny hatte recht. Eine dichte Menschentraube hatte sich gebildet, in der heftig diskutiert wurde. Vereinzelt drangen sogar wütende Protestrufe bis in die Schalterhalle.

   »Wir wollen unser Geld und keine Schnipsel!«

   »Gebt uns heile Scheine!«

   Mitten in der aufgebrachten Menge stand ein Mann mit einem schwarzen Zylinder, der eine Fahne schwenkte. In großen Buchstaben stand darauf zu lesen: Das Ende des Dollars ist nah! Und das ist auch gut so! Geld verdirbt den Charakter!


   Kommissar Reynolds sah hinaus. Dann wandte er sich den drei ??? zu. »Wie es aussieht, muss ich erst mal für Ordnung sorgen. Die Leute haben offensichtlich Angst um ihr Erspartes! Wenn ihr irgendetwas rausfindet, sagt mir sofort Bescheid.«

   Und damit eilte er auch schon hinaus, und der Bankdirektor folgte ihm auf dem Fuße.

   Die drei ??? sahen den beiden Männern nach. »Mannomann, ich hätte nie gedacht, dass ein bisschen zerbröseltes Papier für so viel Aufregung sorgen kann«, sagte Bob nachdenklich.

   Peter nickte. »Am Gelde hängt, zum Gelde drängt doch alles. Ach, wir Armen!«

   »Wo hast du das denn her?«, rief Bob.

   »Das sagt mein Vater immer.« Peter zuckte die Schultern. »Und wenn ich sehe, was hier für eine Aufregung herrscht, könnte er recht haben. Der Mann da mit dem schwarzen Zylinder scheint ja wirklich mächtig was gegen Geld zu haben.«

   »Vielleicht ist die ganze Geschichte ein Anschlag auf den Dollar?«, überlegte Bob. »Vielleicht versucht jemand, alle Geldscheine in Rocky Beach zu vernichten und damit Unruhe zu stiften? Die Leute reagieren ja äußerst nervös!«

   »Bob, Peter!« Plötzlich zupfte Justus seine beiden Freunde an den Ärmeln. »Mich hat das, was Peter gerade gesagt hat, auf eine ganz andere Idee gebracht. Was wäre denn, wenn es hier gar nicht darum geht, Geld zu zerstören?«

   »Hä?« Bob drehte sich um. »Aber das ist doch ganz offensichtlich der Fall.«

   »Lasst uns nicht voreilig schlussfolgern«, rief Justus. »Der Mann mit dem schwarzen Zylinder kann auch einfach jemand sein, der nur auf die kaputten Geldscheine reagiert. Nur weil er hier eine Bühne zum Demonstrieren sucht, heißt das noch lange nicht, dass er an der Geschichte beteiligt ist! Was ich glaube, ist Folgendes: Möglicherweise ist das zerstörte Geld in der Bank nur das Geld, das aus dem Technikcenter hier eingezahlt worden ist.«

   »Möglicherweise«, stimmte Bob zu. »Und wenn nicht?«

   »Dann hat es irgendjemand wahrscheinlich hier eingezahlt oder gewechselt, aber auch das macht eigentlich keinen großen Unterschied.«

   Peter stöhnte. »Just, nun mach es nicht so kompliziert, sondern sag uns, was du denkst.«

   Justus seufzte. »Ich meine, wenn jemand diese seltsamen Geldscheine hätte und wüsste, dass sie zerfallen, dann könnte er doch versuchen, sie rechtzeitig davor in Rocky Beach unter die Leute zu bringen.

   Bob überlegte. »Ich würde aber kein solches Geld ausgerechnet auf der Bank eintauschen. In der Schalterhalle hängen Kameras. Da wird jeder gefilmt.«

   »Und eine Trockenmaschine zu kaufen, wäre auch etwas blöde. Ich würde mir eher Diamanten oder so etwas holen«, fügte Peter hinzu.

   Justus nickte. »Da stimme ich euch in beiden Punkten zu.«

   »Und wie hilft uns das weiter? Wo stecken die Leute mit dem zerfallenden Geld?«, rief Peter.

   »Das ist im Augenblick noch ihr Geheimnis«, erklärte Justus düster. »Aber die entscheidende Frage nach euren Einwänden ist: Warum haben sie keine Diamanten gekauft, sondern eine Trockenmaschine?«

   »Es wirkt, als hätten wir die wichtigsten Teile des Puzzles schon zusammen«, dachte Bob laut nach. »Nur wissen wir noch nicht, wie sie zusammengehören. Feuchte Hände lassen das Geld zerbröseln. Eine Trockenmaschine würde das vielleicht verhindern.«

   »Na ja«, brummte Peter. »Eine Trockenmaschine für feuchte Hände, aber nicht für Papier.«

   »Ich weiß«, seufzte Justus. »Aber da muss ein Zusammenhang sein. Mein ganzer detektivischer Instinkt sagt mir, dass wir auf einer heißen Spur sind. Ich glaube, wir müssen diese Trockenmaschine finden.«

   »Und wie? Der Geschäftsführer hat doch gesagt, dass sie keine Adresse des Käufers haben!« Peter schüttelte den Kopf.

   »Aber wenn diese Maschine groß war, dann muss sie transportiert worden sein. Dazu braucht man einen Laster«, schlug Bob vor.

   »Und was soll leichter daran sein, einen unbekannten Laster zu suchen als eine blöde Trockenmaschine?«, rief Peter.

   »Möglich, dass wir Glück brauchen«, räumte Justus ein. »Aber es ist die einzige Spur im Moment. Als ich mit Onkel Titus beim Technikcenter war, habe ich gesehen, dass man dort auch Laster mieten kann.«

   »Ich weiß nicht«, murmelte Peter. »Findet ihr nicht, dass wir die ganze Zeit nur im Kreis herumlaufen?«

   »Das sehe ich nicht so«, antwortete Justus. »Der Fall ist schwierig. Aber wir kommen der Sache näher. Und ich weiß auch schon, wie wir weitermachen. Wir bitten Mr Tripp, uns bei der Lastervermietung behilflich zu sein. Er ist sicher daran interessiert rauszufinden, wie das sich selbst auflösende Geld in seine Kasse kam!«

   »Meinetwegen«, stimmte Peter zu. »Auch wenn ich nach wie vor glaube, dass der Mann mit dem schwarzen Zylinder oder irgendein anderer, der einfach was gegen den Dollar hat, hinter der ganzen Sache steckt. Aber gut, probieren wir unser Glück!«


Mr Tripp mal zwei

   Als die drei ??? einige Zeit später wieder vor Mr Tripp standen, sah der dicke Kassierer sie verblüfft an. »Ihr schon wieder? Was wollt ihr denn diesmal?«

   Justus lächelte höflich. Dann erklärte er Mr Tripp ihre Idee.

   »Blendend! Jungs, ihr seid wirklich clever!« Die Augen des Kassierers begannen zu funkeln. »Das ist die erste vernünftige Idee heute. Wisst ihr, dass mein Chef gerade bei der Bank ist? Angeblich ist dort das Geld aus meiner Kasse aufgetaucht. Ich hoffe nur, dass ich nicht alles ersetzen muss, das könnt ihr mir glauben. Jungs, wenn ihr diese Geschichte enträtseln könnt, wäre ich sehr froh!«

   Er senkte die Stimme. »Und ihr habt Glück. Ich kann gleich Pause machen, dann gehen wir gemeinsam zur Lastervermietung. Da arbeitet nämlich mein Bruder.«

   Als sie wenige Minuten später vor Mr Tripp Nummer zwei standen, verkniff sich Bob ein Lachen. Der Bruder des Kassierers war noch dicker als dieser und kaute gerade an einem gewaltigen Sandwich.

   »Da bist du ja endlich, Jeremias. Es ist Zeit für die Zwischenmahlzeit. Hier, Mom hat mir ein Sandwich für dich mitgegeben.«

   »Danke, Junior«, sagte Mr Tripp Nummer eins. »Aber ich bin mit diesen Jungen gekommen, weil sie dringend etwas wissen müssen.«

   »Nichts ist so wichtig, wie etwas Richtiges zu essen«, beharrte Mr Tripp Nummer zwei. Dann schob er seinem Bruder ein gewaltiges Sandwich zu. »Und, Jungs, habt ihr auch Hunger? Unsere Mom macht uns immer ein paar Brote auf Vorrat. Also, ziert euch nicht, es gibt Truthahn mit Ketchup oder Marshmallow mit Erdnussbutter.«

   Justus bekam große Augen. »Marshmallow mit Erdnussbutter würde ich gerne probieren!«

   Mr Tripp Nummer eins lachte. »Dann mal ran ans Eingemachte. Offen gestanden, ich komme jede Pause hierher, weil das Essen drüben an der Kasse nicht gerne gesehen wird.« Die beiden Brüder lächelten Justus glücklich zu.

   Gleich darauf saßen drei wohlig schmatzende Esser und zwei der drei ??? mit offenen Mündern über die Bücher der Lastwagenvermietung gebeugt.


   »Hier ist es«, rief nach kurzem Blättern Mr Tripp Nummer zwei. »Wusste ich doch, dass die sich einen Wagen gemietet hatten. Mit diesem Ungetüm von Maschine ging das ja gar nicht anders.«

   »…iest u, Eter!«, rief Justus mit vollem Mund.

   »Ja, ich sehe und verstehe«, gab Peter zurück. »Aber schluck erst mal runter, bevor du den Mund aufmachst!« Dann wandte er sich Mr Tripp Nummer zwei zu. »Wissen Sie auch, wo die hingefahren sind?«

   »Nein, das nicht. Aber ich habe natürlich die Adresse vom Führerschein. Und die ist hier in Rocky Beach, am Coast Drive!«

   »O ein Ück!«, kaute Justus.

   Bob nickte. »Ja, ein Glück. Schmeckt es dir, Just?« Dann sah auch er Mr Tripp Nummer zwei an. »Und wo dort?«

   Mr Tripp kniff die Augen zusammen. »Es ist leider nur eine Kopie, und die ist nicht sehr gut lesbar. Es ist der Coast Drive, aber die Nummer ist nicht zu erkennen.«

   »So ein Pech«, stöhnte Peter. »Diese Straße ist mehrere Meilen lang. Können Sie uns wenigstens sagen, wie viele Meilen die mit dem Laster gefahren sind? Dann können wir bei der Hälfte der Strecke suchen.«

   »…ravo, Eter!« Justus hatte das Sandwich fast fertig.

   Mr Tripp Nummer zwei sah nach. »Knappe acht Meilen«, sagte er. »Hilft euch das weiter?«

   Justus’ Augen leuchteten auf. Er schluckte, leckte sich die Finger ab und sagte dann laut und verständlich: »Und wie, Mr Tripp! Das könnte bedeuten, dass wir in diesem Moment nur noch vier Meilen von der Lösung des Rätsels entfernt sind!«


   Während die drei ??? auf dem Coast Drive entlangradelten, besprachen sie den Stand ihrer Ermittlungen. Dabei behielt Bob die ganze Zeit den Kilometerzähler an seinem Lenkrad im Auge.

   »Ich frage mich immer wieder, wieso jemand Geldscheine trocknen sollte?«, meinte Peter.

   »Ich denke, es hat etwas mit dem Zerfall zu tun«, sagte Justus. »Vielleicht sind die Scheine in etwas getaucht worden, das sie zerfallen lässt. Und jetzt müssen sie getrocknet werden, um das zu verhindern.«

   »Aber warum sollte jemand Geldscheine in etwas tauchen, das sie zerstört? Das begreife ich beim besten Willen nicht!«, wandte Bob ein. »Und außerdem zerfallen sie auch, wenn sie trocken sind.«

   »Ja«, gab Justus zu. »Oder jedenfalls, sobald sie wieder feucht werden. Das ist wirklich mysteriös. Aber es muss einen logischen Grund dafür geben.«

   »Einen logischen Grund für das Unlogische, das klingt wirklich überzeugend«, brummte Peter.

   Justus reagierte nicht darauf. »Wie weit ist es denn noch?«, fragte er.

   »Ein paar hundert Meter.« Bob deutet voraus.

   Zu ihrer Linken lag ein Stück offenes Bauland, und dahinter schloss sich ein verlassenes Gelände mit ehemaligen Werkstätten, Lagern und Garagen an. »Der Entfernung nach sieht es ganz so aus, als wäre das unser Ziel.«

   »Na, klasse!«, rief Peter. »Wie sollen wir denn da was finden? Da kann hinter jedem Tor so eine Maschine stehen!«

   Justus bremste und sah sich das weitläufige Gelände an, das die drei ??? inzwischen erreicht hatten. Dann wandte er plötzlich den Kopf.

   »Freunde! Ich dachte doch schon die ganze Zeit, dass wir bisher nur eine Unbekannte für die Gleichung dieses Falles kennen, uns aber einfach noch die bekannten Reste fehlen. Und ein günstiger Wind scheint uns an den richtigen Ort geweht zu haben.«

   »Hä?« Peter sah Justus verwirrt an. »Hast du jetzt nicht nur einen Sonnenbrand, sondern auch noch einen Sonnenstich?«

   »Aber nein. Es geht um die Hintergründe des Geldscheinzerfalls!«

   Bob sah sich misstrauisch um. »Aha. Und wieso kommst du jetzt und hier auf diese Hintergründe?«

   »Na, deswegen«, strahlte Justus. Er stieg vom Fahrrad und ging zu einer Haustür hinter sich. »Weil das Schicksal uns an die Hand genommen zu haben scheint!« Er drückte auf einen Klingelknopf.

   Über ihnen im Haus ertönte ein Gong. Kurz darauf rief eine gut gelaunte Stimme von einem Balkon: »Justus Jonas, Bob Andrews und Peter Shaw! Was treibt euch denn hierher?« Auf dem Balkon stand ein grauhaariger Mann und winkte ihnen fröhlich zu.


   »Professor McGormick!«, rief Justus.

   »Unser Chemielehrer«, flüsterte Peter.

   »Woher weißt du denn, dass er hier wohnt, Just?«

   »Na, das weiß doch jeder, dass er hier in seiner Garage Experimente betreibt und Nachhilfe gibt«, antwortete Justus gelassen.

   »Was führt euch her?«, rief der Professor. »Vermisst ihr den ausgefallenen Unterricht so sehr, dass ihr Privatstunden nehmen wollt?«

   Justus lächelte zufrieden. »Ja«, rief er. »Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen eine wichtige Frage zu stellen.«

   »Was willst du denn von ihm wissen?«, flüsterte Peter.

   »Er kann uns helfen, das fehlende Puzzleteil zu finden«, antwortete Justus schnell. »Wir wissen immer noch nicht, wieso die Scheine zerfallen! Aber vielleicht hilft uns genau das entscheidend weiter!«

   »Genial!« Bob sprang von seinem Fahrrad. »Professor, dürfen wir reinkommen?«

   »Ja, kommt nach hinten in meine Garage. Die Tür ist offen!«


   Die drei ??? umrundeten das Haus und betraten eine kleine Garage. Hier standen auf Tischen und Regalen Reagenzgläser, Bunsenbrenner, verschiedene Chemikalien, Spatel und gläserne Rührstäbe. »Womit kann ich euch helfen?« In der Tür erschien Professor McGormick.

   Justus zog die zerfallene Banknote hervor.

   »Ach, ihr habt auch eine?« Der Professor sah den Geldschein neugierig an. »Ich habe schon gehört, dass heute Mittag die Bank schließen musste, weil das Geld zerfällt. Ich würde doch zu gerne wissen, was da passiert ist.«

   »Ihr Wunsch wurde erhört«, sagte Justus. »Denn genau deswegen sind wir hier!«

   Dann schilderten die drei ???, was sie wussten.

   Der Professor rieb sich die Schläfen. »Sie zerfallen also nach der Berührung mit Feuchtigkeit. Das ist äußerst interessant. Na, sehen wir uns das arme Opfer doch einmal näher an!«

   Er nahm Justus die Schnipsel aus der Hand und betrachtete sie mit einer Lupe. Dann lächelte McGormick. »Nun, was seht ihr?«, fragte er die drei ??? und gab die Lupe an sie weiter. »Schaut ganz genau hin! Die Frage ist, wie ist der Schein kaputtgegangen?«

   Bob guckte zuerst. »Ich würde sagen, der Schein sieht nicht zerfressen aus, so als ob eine Maus daran genagt hätte, sondern eher so, als wäre das Papier gebrochen!«

   »Bruchstellen! Gut beobachtet und sehr richtig!«, nickte McGormick zufrieden.

   »Ich vermute, dass das auf einen chemischen Prozess hindeuten könnte«, fügte Justus schnell hinzu. »Möglicherweise ist der Schein mit etwas in Berührung gekommen, das ihn brüchig werden ließ.«

   »Noch einmal Bravo!« McGormick sah seine Schüler stolz an. »Und woran denkt ihr da?«

   »Das wissen wir nicht«, sagte Peter.

   »Nun, ich auch nicht«, erwiderte der Professor. »Aber was zerfrisst Papier im Allgemeinen?«

   »Vielleicht Säuren?«, schlug Peter vor.

   »Sehr gut!« Der Professor nahm etwa die Hälfte der Scheinreste und drückte diese in ein Reagenzglas. Dann gab er eine farblose Flüssigkeit dazu.

   »Das ist unser Indikator. Wie ihr wisst, färbt sich diese Flüssigkeit anders, je nachdem, ob sie mit einer Lauge oder einer Säure zusammentrifft. Wisst ihr noch, wie sie sich wann färbt?«, fragte er.


   »Rot bei Säure und blau bei Lauge«, sagte Bob.

   »So ist es«, brummte McGormick, während er das Glas beobachtete. Vor ihren Augen färbte sich die Lösung tiefrot.

   »Rot! Es ist eine Säure!«, stieß Peter hervor. »Also ist der Geldschein mit einer Säure in Berührung gekommen, die sich in das Papier gesogen hat!«

   »Ja«, rief Justus, »aber jetzt fehlt noch der zweite Teil des Rätsels! Nämlich: Um welche Säure handelt es sich?«

   »Richtig, Justus«, sagte der Chemielehrer. »Wisst ihr, welche Säure äußerst aggressiv mit Papier reagiert?« McGormick sah die drei ??? fragend an.

   »Schwefelsäure!«, sagte Peter. »Das haben wir bei Ihnen im Unterricht gelernt!«

   »Und wieder ist es so!« McGormick lächelte. »Schwefelsäure ist übrigens eine der wichtigsten Chemikalien überhaupt und gehört damit zu den chemischen Stoffen, die am häufigsten hergestellt werden. Man benutzt sie unter anderem für Dünge- und Waschmittel. Falls es sich also um Schwefelsäure handelt, was müssen wir dann jetzt tun?«

   Bob dachte kurz nach. Dann sagte er: »Wir haben durch den Farbindikator gezeigt, dass es sich um Säure handelt. Jetzt müssen wir noch den zweiten Teil der Schwefelsäure nachweisen, nämlich den Schwefel.«

   »Prächtig, Bob«, strahlte McGormick. »Schade, dass wir nicht im Unterricht sind, ihr würdet alle eine gute Note bekommen. Aber jetzt zurück zum Schwefel. Diesen weist man mit einer Bariumchloridlösung nach. Die kennt ihr noch nicht aus dem Unterricht, aber ich habe sie hier.« Der Professor holte die Lösung aus einem Regal und tropfte sie vorsichtig zur verdächtigen Lösung im Reagenzglas.

   »Mit dieser Lösung hier muss man vorsichtig sein«, erklärte er, »denn sie ist sehr giftig. Wenn es sich bei unserer Säure um Schwefelsäure handelt, dann müssten sich jetzt im Reagenzglas gleich kleine Kristalle bilden.«

   Mit atemloser Spannung sahen die drei ??? auf das Glas. Und tatsächlich: Langsam gab es eine schwache Trübung, dann bildeten sich feine farblose Kristalle, die als Niederschlag im Glas absanken.

   »Da ist der Beweis«, nickte McGormick. »Es ist Schwefelsäure. Sie ist offensichtlich getrocknet und in den Schein eingezogen.« Er nahm die Lösung und goss sie in den Ausguss. »Kommt nicht zu nah ran, Jungs. Wenn ein Spritzer von der Säure auf eure T-Shirts gerät, würden sie sich sofort entfärben!«

   »Aber warum stinken denn die Scheine nicht?«, fragte Peter. »Schwefelsäure stinkt doch nach faulen Eiern!«

   »Jetzt hast du Glück, dass wir nicht im Unterricht sind«, lachte McGormick. »Wer weiß die Antwort?«

   »Das, was so stinkt, ist nicht Schwefelsäure, sondern Schwefelwasserstoff«, erklärte Bob.

   »Genau«, rief McGormick. »Und der entsteht, wenn man zum Beispiel Schwefelsäure mit Resten von Eisen zusammenbringt. Dabei bilden sich Wasserstoff und auch Schwefelwasserstoff. Die Brüder Montgolfier, die berühmten Ballonfahrer, haben so den ersten Gasballon mit Wasserstoff gefüllt. Das Gas stank so sehr nach faulen Eiern, dass die Leute dachten, es wäre Teufelszeug.« Er zeigte auf ein paar silberne Tütchen in einem Regal. »Hier, die Dinger nennen sich Fart Bombs und haben die gute alte Stinkbombe ersetzt. Ich habe sie erst neulich einem Schüler Namens Skinny abgenommen, der sie bei mir im Unterricht hochgehen lassen wollte. Man drückt sie einfach zusammen, dann blähen sie sich auf und platzen. Sehr wirkungsvoll! Fürchterlicher Gestank!«

   Der Professor sah die drei ??? an. »Ihr könnt sie mitnehmen und draußen ausprobieren, dann wisst ihr, wie Schwefelwasserstoff riecht!«

   »Danke!«, rief Peter und schnappte sich begeistert die Stinkbomben.


   »Aber warum sollte jemand die Scheine in Schwefelsäure tauchen?«, fragte Justus und knetete seine Unterlippe.

   »Oh, das weiß ich auch nicht.« McGormick sah ratlos aus. »Vielleicht war es ja ein Unfall?«

   »Schwefelsäure benutzt man für Düngemittel oder Waschmittel«, murmelte Justus. »Ich nehme an, dass niemand auf die Idee kommen wird, Geld zu düngen.« Plötzlich sah Justus sein T-Shirt an. Im nächsten Moment ließ er seine Unterlippe los. »Herr Professor«, rief er dann, »wir danken Ihnen! Sie haben uns sehr geholfen!«


   »Just, was ist denn los? Warum wolltest du so plötzlich weg?« Bob und Peter liefen ihrem Freund nach, der vor ihnen über den Coast Drive marschierte.

   »Waschmittel!«, rief Justus. »Schwefelsäure entfärbt! Es sind echte Geldscheine, die zerfallen! Sie werden gewaschen und getrocknet! Freunde, es passt alles!«

   »Nicht so schnell«, fauchte Peter. »Was passt denn hier?«

   Justus blieb stehen. »Denk nach, Peter. Ich bin sicher, du kommst drauf.«

   Empört sah Peter Justus an. »Du denkst offenbar, jemand hätte die Banknoten mit Schwefelsäure gewaschen. Um sie zu entfärben. Aber das kann nicht stimmen! Dann wären sie nämlich nicht mehr grün, sondern weiß. So wie beim Tintenfraß in den alten Büchern, von denen Bob erzählt hat.«

   »Aber nur, wenn sie vorher grün waren!«, sagte Justus geheimnisvoll.

   »Na bitte, da haben wir es wieder! Justus Jonas spielt den Schlaumeier, und wir dürfen ihm dabei zusehen.« Peter stemmte die Arme in die Hüften. »Just, wenn du nicht sofort erklärst, was in deinem Schädel vorgeht, kannst du ab heute mit dir alleine Brain Secrets spielen.«

   Bob kicherte. »Ja! Los, Just. Was meinst du damit, wenn sie vorher grün waren? Dollars sind immer grün.«

   »Ihr habt recht. Aber es gibt Ausnahmen. Es ist ganz logisch. Fragt euch doch mal, wann sind Banknoten nicht grün, sondern zum Beispiel blau oder rot oder gelb?«

   »Wenn sie verkleidet zum Fasching gehen?«, kicherte Bob.

   »Nein, ernsthaft!«, beschwerte sich Justus. »Es gibt nur eine einzige Situation, in der Geldscheine gefärbt werden!«

   Plötzlich stockte Peter der Atem. »Bei einem Raub!«, stieß er hervor. »Wenn das Geld mit so einer Farbbombe gesichert war, und die ist explodiert!«

   »Peter, du bist ein Ass!«, jauchzte Justus. »Genau das meine ich!«

   Bob sperrte den Mund auf. »Ihr meint, es könnte sich um markiertes Geld gehandelt haben? Und jemand hat es mit der Schwefelsäure entfärbt?«

   »Aber wenn das so ist, müssen wir sofort Kommissar Reynolds informieren!«, rief Peter. »Das ist ein schweres Verbrechen. Und er weiß vielleicht auch, ob in letzter Zeit ein solcher Überfall stattgefunden hat.«

   Doch als Bob von seinem Handy aus die Nummer des Kommissariats gewählt hatte, antwortete ihm ein mürrischer Beamter, dass der Kommissar in dringenden Sachen unterwegs und nicht zu sprechen sei.

   »Aber es geht um viel Geld!«, rief Bob.

   »Das tut es doch schon den ganzen Tag«, erwiderte der Beamte. »In der ganzen Stadt zerbröseln die Banknoten. Nun macht euch keine Sorgen um euer Taschengeld, Kinder, der Schaden wird bald behoben sein.«

   »Aber, Sir …«, rief Bob verzweifelt.

   »Tut mir leid, ich muss die Leitung frei halten. Du ahnst ja nicht, was hier los ist. Auf dem Marktplatz wird demonstriert. Es geht hier zu wie in den wildesten Zeiten des Wilden Westens! Auf Wiederhören!« Und damit war die Leitung tot.


   Justus war rot im Gesicht vor Aufregung. »Ganz Rocky Beach scheint in Panik zu versinken! Und nur wir haben den Durchblick!« Er blinzelte verschwörerisch. »Wenn ihr auch dafür seid, schlage ich vor, dass wir uns jetzt mal genauer auf dem Gelände umsehen. Und wenn wir etwas herausfinden, dann schaffen wir es schon, Reynolds rechtzeitig zu holen.«

   »Ich weiß nicht, ob das die richtige Reihenfolge ist«, murmelte Peter. »Aber so, wie es aussieht, bleibt uns wohl nichts anderes übrig. Wo wir schon mal so nah dran zu sein scheinen.«

   »Peter, mit diesem Wagemut gefällst du mir!«, jubelte Justus.

   Die drei ??? begaben sich auf das große Gelände. Hier reihten sich viele verlassene Höfe und Werkstätten aneinander. Justus drückte sich an eine Wand und winkte seine Freunde zu sich. »Was wir suchen, sind die Trockenmaschine und Geldscheine. Ich nehme an, dass die hier irgendwo versteckt sind.«

   »Wäre auch zu schön, wenn die Scheine einfach zum Trocknen auf eine Leine gehängt wären«, flüsterte Peter.

   »Und wir müssen nach Schwefelsäure suchen«, fügte Justus hinzu. »Und da sie davon bestimmt eine ganze Menge brauchen, müssen Fässer oder Kanister zu finden sein.«

   »Und wir haben, wenn die Theorie stimmt, sogar noch eine Spur«, sagte Bob. »Die Farbe! Wenn hier wirklich jemand Farbe aus Geldscheinen wäscht, dann könnten wir auf Farbspuren treffen.«

   Justus nickte. »Trockenmaschine, Schwefelsäure und Farbe. Halten wir also die Augen offen. Aber Achtung! Wenn das alles zutrifft, haben wir es mit echten Gangstern zu tun!«

   Vorsichtig begannen die drei ???, über das Gelände zu schleichen. Sie spähten geduckt in jedes Fenster und lugten durch jedes Schlüsselloch. Doch nach einer Stunde waren sie lediglich schweißverklebt und staubbedeckt, aber keinen Schritt weiter.

   Peter ließ sich auf einen alten Mauerrest sinken. »Hier ist nichts! Die Türen sind alle abgeschlossen. Und die Sache mit der Säure hat uns, ehrlich gesagt, überhaupt nichts gebracht.«

   Bob setzte sich neben ihn. »Peter hat recht. Unsere Theorie bleibt eine reine Theorie. Es ist zum Verrücktwerden.«

   Justus kniff die Lippen zusammen und setzte sich dazu. Auch auf seinem Gesicht mischten sich Staub und Schweiß, und er sah unglücklich in die engen Höfe. »Das ist das reinste Labyrinth. Ich muss zugeben, ich hatte gehofft, dass wir wenigsten ein leeres Fass finden oder ein Maschinengeräusch hören würden. Aber bisher sieht es so aus, als wäre hier seit Jahren kein Mensch mehr gewesen!«

   »So kommen wir jedenfalls nicht weiter«, sagte Bob. »Vielleicht haben die uns ja auch gehört und verstecken sich.«

   »Wenn überhaupt jemand hier ist. Vielleicht laufen wir ja auch nur einem Hirngespinst nach?« Peter schüttelte den Kopf. Im selben Moment rümpfte er die Nase. »Oh, Mist, ich muss mich auf eins der Stinkkissen gesetzt haben.«

   Er griff in seine Hosentasche und zog die Fart Bombs hervor. Doch zu seiner Überraschung waren die Päckchen vollkommen unversehrt.

   Im selben Moment sprang Justus auf und drehte sich heftig schnuppernd um die eigene Achse. »Los!«, rief er. »Helft mir! Wenn das nicht die Stinkkissen sind, dann ist hier irgendwo Schwefelwasserstoff!« Peter und Bob wurden bleich.


   »Da!« Peter zeigte in einen dunklen Durchgang. »Der Gestank kommt von da!«

   Justus drückte sich schon an die nächste Hauswand. »Immer der Nase nach, Freunde! Ich wusste es doch, wir bekommen unsere Chance!«

   Leise schlichen die drei ??? in den Durchgang. Dieser führte in einen weiteren Hof, der von einigen niedrigen Gebäuden gebildet wurde. Doch außer blinden Scheiben und einem geschlossenen grünen Tor war nicht viel zu entdecken. Die Freunde blieben stehen und lauschten.

   »Nichts zu hören«, wisperte Bob.

   Im selben Moment wehte wieder eine Brise des Gestanks heran.

   Peter hielt sich die Nase zu. »Das ist ja bestialisch. Aber wo kommt das her?«

   Auch Justus griff sich an die Nase. »Ich glaube, von da!« Er deutete in eine Ecke des Hofes, wo fast unsichtbar im Boden ein Gitter über einem Abfluss lag. Wieder zog eine Schwade des Geruchs nach faulen Eiern über die drei ??? weg. »Puh!« Bob wandte sich ab. »Dann sollten wir jetzt Reynolds holen.«

   Aber Justus schüttelte den Kopf. »Das hier ist nur ein Indiz. Wir brauchen noch den Beweis!«

   »Und wie sollen wir den bekommen? Sollen wir etwa eine Probe von dem Gestank hier nehmen und sie dem Kommissar unter die Nase halten?«

   »Natürlich nicht!« Justus sah sich um. Sein Blick blieb an einer Eisenleiter hängen, die an einer der Mauern auf das flache Dach führte. »Wir versuchen es von oben. Vielleicht gelingt es uns da, etwas zu sehen oder zu hören.«

   Peter nickte. »Gute Idee. Da sind wir auch nicht mehr so auf dem Präsentierteller wie hier!«

   Die Freunde eilten durch den Hof und stiegen hastig über die Leiter aufs Dach. Zuletzt wälzte sich Justus über die letzte Stufe auf die schwarze Dachpappe.

   Peter spähte über den Rand nach unten. »Es scheint uns niemand bemerkt zu haben!«

   »Die Dachpappe ist ganz schön heiß«, keuchte Justus.

   Peter sah ihn an. »Du ähnelst gerade mehr einem Walross auf dem Trockenen als einem Superhirn. Ich würde dir wirklich ab und zu ein Marshmallow-Sandwich weniger empfehlen.«


   Justus nickte stumm. Mitunter machte ihm seine Behäbigkeit zu schaffen. Mit seinem leichten Sonnenbrand zusammen war sie wirklich kein Zuckerschlecken. Aber dann tröstete er sich wieder mit dem Fall, den sie zu lösen hatten.

   »Seht mal, da vorne ist ein Oberlicht. Da robben wir uns ran und sehen nach unten.«

   Die drei ??? krabbelten leise zu der gläsernen Klappe. Auch hier war das Glas trübe und schmutzig. Aber es gelang Bob, mit einem Zipfel seines T-Shirts ein Guckloch in den Staub zu reiben. Vorsichtig sahen die Freunde in die Tiefe. Und was die drei ??? dort erblickten, bestätigte alle ihre Vermutungen. Fast hätte Justus laut gejubelt. Direkt unter ihnen stand eine große Maschine, auf der auf einem langen Gittergeflecht in mehreren Reihen hunderte und aberhunderte von Dollarnoten lagen. Aber noch viel beeindruckender waren mehrere große rosafarbene Blöcke, die ein Stück hinter der Maschine lagerten.

   »Das rosa Zeug da – ist das etwa alles Geld?«, flüsterte Peter.

   »Sieht so aus«, keuchte Bob. »Ich dachte erst, das wäre ein Berg Marzipanschweine, aber das sind alles gefärbte Geldscheine!«

   »Die müssen einen ganzen Banktresor ausgeraubt haben«, flüsterte Justus. »Warum haben wir denn davon nichts in den Nachrichten gehört?«

   »Möglicherweise ist der Raub bewusst geheim gehalten worden?«, überlegte Bob.

   In diesem Moment betraten unter den drei ??? zwei junge Männer die Halle. Einer von ihnen hatte ein breites Kreuz und rollte hochkant eine schwere Tonne vor sich her. Der andere war groß und hellblond, hielt sich die Nase zu und gestikulierte wild mit dem anderen Arm. »Ist das die letzte Tonne, Mat?« Der Mann mit der Tonne kippte diese um und goss eine rosafarbene Brühe in einen Ausguss. Dann nickt er. »Das war’s!«

   »Ist das ein Gestank! Was hast du denn da gemacht, Mat?«

   »Nichts, Dave! Ich habe nur die Brühe nach dem Waschen in die Tonnen gekippt. Dachte, da kann man sie aufheben.«


   »Aber das stinkt wie eine frisch geöffnete Kloake, Mat. Irgendwas musst du gemacht haben! Davor hat es doch nicht so gestunken.«

   Dave drehte die ausgeschüttete Tonne um und etwas klimperte. Dann kullerten ein paar Metallteile heraus.

   »Oh, Mat, du Oberchemiker! Da waren Eisenreste drin! Damit hat die Schwefelsäure reagiert. Hast du denn in Chemie überhaupt nicht aufgepasst?«

   Mat kicherte. »Ist ja gut, Dave. Hauptsache, man kann hier wieder atmen. Chemie war wirklich nie meine starke Seite!«

   Dave schnaubte. »Das hätte uns verraten können!«

   »Aber doch nicht hier. Zum Glück hat meine Großmutter mir das alte Gelände vererbt. Ist doch der ideale Unterschlupf für zwei wie uns!«

   »Ja, Matti, das stimmt«, kicherte der Blonde. »Wir haben es drauf. Dein Tipp mit der Sammelstelle für farbbombenverunreinigtes Geld aus Raubüberfällen war echt spitze.«

   Mat lachte. »Sag ich doch, Dave. Da liegen jedes Jahr Millionen Dollar aus verunglückten Bankrauben. Und der Laden ist wirklich nicht gut bewacht.«

   Der Blonde gluckste. »Wer glaubt auch schon, dass jemand gefärbtes Geld klauen würde? Keiner! Aber wir haben es getan, Mat! «

   »Weil wir die Besten sind, Dave!« Mat schlug seinem Kumpan auf die Schulter.

   »Raffiniert«, flüsterte Bob auf dem Dach.

   Unten begann Mat die Tonne wieder wegzurollen. »Jetzt müssen wir das saubere Geld nur noch haltbar kriegen.«

   »Oder es nur in gut gekühlten Läden unter die Leute bringen, das hat ja auch hingehauen«, meinte Dave.

   »Oder wir kühlen die Scheine«, rief Mat, »und geben sie dann eiskalt beim Juwelier aus. Aber bevor ich diesen Mief nicht aus der Nase habe, rühre ich keinen Finger mehr.«

   »Klar, Mat, machen wir mal Pause. Wir haben ja alle Zeit der Welt.«

   Die beiden kicherten wieder und schlugen sich auf die Schultern, während sie den Raum verließen.

   Justus winkte seinen Freunden. »Wir haben genug gehört. Jetzt können wir Reynolds holen. Ab hier muss er übernehmen!«


   Doch der Plan erwies sich als weitaus schwieriger als gedacht. Denn als die drei ??? auf dem Marktplatz von Rocky Beach eintrafen, wo der Kommissar sich aufhielt, war er eingekeilt in eine riesige Menschenmenge von aufgebrachten und protestierenden Bürgern.

   Einer von ihnen war Mr Porter, der Ladenbesitzer. »Ich verkaufe erst wieder, wenn es haltbare Dollar gibt«, rief er erzürnt. »Solange das nicht der Fall ist, mache ich dicht!«

   Neben ihm verkündete der Mann mit dem schwarzen Zylinder: »Schluss mit der maßlosen Geldgier! Das Ende ist nah! Haltet lieber zusammen und fürchtet euch nicht.«

   »Halten Sie lieber den Mund«, fuhr ihn eine Frau an und schwenkte ihre leere Einkaufstasche. »Ich habe Hunger!«

   »Genau«, rief eine Stimme. Im nächsten Moment stob eine ganze Meute wütend hinter dem Zylinderträger her. Und dazwischen fuchtelte der Kommissar mit den Armen, beschwichtigte und rief vergeblich zur Ruhe.

   »Da kriegen wir ihn nie weg«, meinte Bob. »Allerdings nicht!« Justus sah dem wilden Treiben erstaunt zu. »Als ob es so schlimm wäre, mal einen Tag kein Geld ausgeben zu können.«

   »Für mich ist das sowieso normal«, grinste Peter.

   Justus knetete langsam seine Unterlippe. Dann meinte er: »Es sieht so aus, als wären die meisten hier wütend auf den Zylindermann. Wisst ihr, was ich denke?« Und dann beugte er sich zu seinen Freunden und tuschelte mit ihnen.

   Bob und Peter hörten zu und nickten eifrig. Dann riefen sie: »Genau so machen wir es!«

   Im nächsten Moment schlüpfte Peter, der am wendigsten war, durch die aufgebrachte Menge.

   Er erreichte den Mann mit dem schwarzen Zylinder und flüsterte ihm etwas ins Ohr.


   »Aha?«, rief der Mann. »Danke, mein Junge!« Dann brüllte er in die Menge: »Der Teufel hat das Geld gemacht, und ich weiß auch, wo! Aber jetzt machen wir ihm den Garaus!«

   Eine Sekunde später stürmte der Mann mit langen Schritten davon.

   »Ihm nach!«, rief die Frau mit der leeren Tasche. »Er will das Geld zerstören!«

   »Halt!«, rief der Kommissar. Doch es war zu spät.

   Die meisten der Bürger setzten sich in Bewegung und verfolgten den Rufer mit dem schwarzen Zylinder.

   »Kommissar«, rief Justus, als Reynolds hinter der Meute dicht an den drei ??? vorbeistürmte.

   »Keine Zeit«, keuchte Reynolds, »ich muss hier für Ordnung …«

   »Kommissar!« Jetzt brüllten auch Bob und Peter. Doch Reynolds bog schon um die Ecke.

   Schnell sprangen die drei ??? auf ihre Räder und traten kräftig in die Pedale. Eine Minute später hatten sie den rennenden Kommissar eingeholt. »Kommissar«, rief Justus, »hören Sie uns bitte zu!« Dann erklärte er ihm beim Fahren, was die drei ??? herausgefunden und getan hatten.

   »Ihr habt den Zylindermann da hingeschickt?«

   »Ja«, rief Peter. »Damit Sie vom Marktplatz wegkommen! Sie müssen die Gangster nur noch festnehmen!«

   »Geniale Idee«, keuchte Reynolds. »Danke, Jungs!«

   Bald darauf stand die wogende Menge in dem alten Gelände. »Hier ist es!«, rief der Mann mit dem schwarzen Zylinder. »Hier ist die Hölle des Geldes! Spürt ihr es auch?«

   »Sie bekommen gleich was zu spüren!« Die Frau schwenkte ihre leere Tasche. »Haben Sie unser Geld zerstört?«

   »Los!«, rief Justus. »Wir müssen ihm helfen!«

   »Dann auf zu Teil zwei des Plans.« Peter grinste und zog die silbernen Beutel aus der Tasche. Er rollte sie kurz und kräftig zwischen den Fingern und warf sie dann unauffällig in die Menge, dicht neben den Mann mit dem schwarzen Zylinder.

   »Die Hölle!«, rief dieser gerade wieder und hielt plötzlich die Luft an. »Und Geld stinkt doch! Merkt ihr es?«

   Um ihn herum fingen die Leute an zu husten.

   »Pu-ha!«, rief die Frau mit der Tasche und drehte sich ab. »Was ist das für ein blöder Witz?« Die übrige Menge stöhnte ebenfalls auf.

   »Das ist des Teufels Küche, in die ihr Geldgläubigen alle kommen werdet«, rief der Mann.

   Er holte tief Luft, um noch etwas zu sagen. Dann wurde er plötzlich grün im Gesicht.

   In diesem Moment öffnete sich langsam und vorsichtig das grüne Tor und Mat und Dave steckten die Köpfe heraus.

   »Mat? Was ist das?«, flüsterte der blonde Dave.

   »Ein Albtraum, Dave«, flüsterte Mat zurück.

   »Genau, meine Herren, und er hat eben erst angefangen.« Aus dem Dunkel der Toreinfahrt tauchte Kommissar Reynolds auf und ließ schnell ein paar Handschellen um je einen Arm des Gangsterduos schnappen.


   In diesem Moment entdeckte der Mann mit dem schwarzen Zylinder die gefärbten Geldstapel. »Rosa Geld!«, stieß er hervor. »Ich sehe rosa Geld!«

   »Geld«, brüllte die Menge. »Das ist bestimmt unser Geld!«

   »Ist es nicht!«, donnerte die Stimme des Kommissars über den Hof. »Dieses Geld ist gestohlenes Geld! Und wer es anrührt, der bekommt es auf der Stelle mit der Staatsmacht zu tun! Und die bin ich! Ich danke Ihnen allen, dass Sie zur Aufklärung dieses mysteriösen Falles beigetragen haben. Ich werde die Bürger der Stadt im abschließenden Bericht lobend erwähnen. Aber jetzt gehen Sie bitte alle nach Hause. Der Fall ist gelöst. Das problematische Geld ist gefunden. Es wird nicht mehr zerbröseln. Und damit Feierabend!«

   Betreten sahen die Leute sich an.

   »Gestohlen?«, flüsterte die Dame mit der leeren Tasche. »Damit will ich nichts zu tun haben.«

   »Rosa Dollar«, murmelte der Mann mit dem schwarzen Zylinder. »Das ist kein Teufelszeug, sondern Kinderkram!«

   Die beiden sahen sich an, lächelten und gingen vom Hof. Und ihnen folgten, einer nach dem anderen, die übrigen Bürger Rocky Beachs.

   »Dave!«, sagte Mat kläglich.

   »Ach, Matti«, sagte Dave. »Was ist hier eigentlich passiert? Wir hatten doch alles im Griff!«

   Kommissar Reynolds sah die drei ??? an.

   »Danke, meine liebe Spezialeinheit. Das war Hilfe in höchster Not! Aber jetzt mal ehrlich: Was stinkt denn hier so entsetzlich?«

   Die drei ??? kicherten. »Das haben wir im Chemieunterricht gelernt, obwohl wir hitzefrei hatten«, sagte Peter nur.

   »Aber es ist garantiert unbedenklich«, fügte Bob hinzu.

   »Absolut«, lachte Justus. »Das sind lediglich ein paar Fart Bombs . Und als gute Spürnasen wissen wir ja: Wer geruchsempfindlich ist, sollte seine Nase nicht in fremde Angelegenheiten stecken.«

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